Wandfarbe richtig berechnen und streichen: Menge, Deckkraft,
Ob Umzug, Renovierung oder einfach eine frische Optik – das Streichen von Wänden gehört zu den häufigsten Heimwerker-Projekten. Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die ihre Wände selbst streichen möchten und dabei typische Fallstricke vermeiden wollen. Du erfährst, wie du die Farbmenge exakt berechnest, die passende Farbe auswählst, das richtige Werkzeug einsetzt und die Kosten realistisch kalkulierst. Los geht’s!

Die richtige Farbmenge berechnen
Die häufigste Fehlerquelle ist zu wenig oder zu viel Farbe. So gehst du sicher:
1. Raumfläche ermitteln
Miss die Länge aller Wände und die Raumhöhe. Formel: (Wandumfang in m × Raumhöhe in m) – (Fläche von Fenstern und Türen). Beispiel: Ein Raum 5 m lang, 4 m breit, 2,50 m hoch. Wandumfang = 2×(5+4) = 18 m. Wandfläche = 18 m × 2,50 m = 45 m². Ein Fenster (1,20 m × 1,50 m = 1,80 m²) und eine Tür (0,90 m × 2,00 m = 1,80 m²) abziehen: 45 m² – 3,60 m² = 41,40 m².
2. Anzahl der Anstriche
Hell auf dunklem Untergrund benötigt meist zwei Anstriche, bei dunklen Farben auf weißem Untergrund oft drei. Ein gut deckendes Weiß reicht oft mit einem Anstrich, wenn der Untergrund ähnlich hell ist. Rechne immer mit zwei Anstrichen, außer du weißt sicher, dass einer reicht.
3. Ergiebigkeit der Farbe
Die meisten Wandfarben geben auf dem Eimer an: reicht für ca. 6–8 m² pro Liter pro Anstrich. Bei zwei Anstrichen benötigst du also: (Wandfläche in m² × Anzahl Anstriche) / Ergiebigkeit. Beispiel: 41,40 m² × 2 Anstriche = 82,80 m². Bei 8 m²/Liter → 82,80 / 8 ≈ 10,4 Liter → 2 Eimer à 5 Liter oder ein 10-Liter-Eimer. Kaufe lieber 10–15 % Reserve für Ausbesserungen.
Farbe auswählen – Deckkraft, Glanzgrad und Untergrund
Deckkraftklasse
Im Handel findest du Deckkraftklassen von 1 (sehr gut) bis 4 (gering). Für Wohnräume empfehle ich Klasse 1 oder 2. Marken wie Alpina, Schöner Wohnen oder Brillux bieten gute Deckkraft. Ein Tipp: Einige günstige Farben decken erst nach mehreren Anstrichen – das ist dann teurer.
Glanzgrade
Matt (tiefmatt) kaschiert Unebenheiten, ideal für Wohn- und Schlafzimmer. Seidenmatt oder seidenglanz ist abwischbarer, eignet sich für Flure, Küchen und Kinderzimmer. Glänzende Farben (Hochglanz) betonen jede Unebenheit – nur für glatte Untergründe wie Heizkörper oder Türen.
Untergrund vorbereiten
Tapetenreste entfernen, Risse und Löcher mit Spachtelmasse (z. B. Molto Fill) glätten, abschleifen. Saugende Untergründe (z. B. Gipskarton) grundieren, sonst saugt die Farbe ein. Für stark saugende Wände nimm Tiefengrund (ca. 10 € pro 5 Liter).
Werkzeug und Zubehör
Die richtige Ausstattung spart Zeit und Nerven. Hier die Basisausstattung aus dem Baumarkt (OBI, Bauhaus, Hornbach):
- Farbrollen: zwei Roller (Breite 18 cm und 25 cm), Felllänge 10–12 mm für glatte Wände, 18 mm für raue Putzwände. Profirollen aus Microfaser (ca. 5–8 € pro Stück) lassen sich auswaschen und wiederverwenden.
- Farbwanne: aus Kunststoff oder Edelstahl (ca. 5–10 €). Ein Gittereinsatz hilft, Farbe gleichmäßig zu verteilen.
- Pinsel: für Ecken und Kanten (2,5–4 cm breit, ca. 3–5 €). Naturborsten für Lacke, Kunstborsten (Polyester) für Dispersionsfarben.
- Malerkrepp: für saubere Kanten an Sockelleisten, Türrahmen und Decken. Am besten das Klebeband direkt nach dem Streichen abziehen, bevor die Farbe trocknet.
- Abdeckfolie: für Böden und Möbel (5 € pro Rolle).
- Rührquirl: für den Bohrmaschine, um die Farbe aufzurühren (ca. 5 €).
Schritt-für-Schritt Streichanleitung
1. Vorbereitung
Raum leer räumen, Möbel abdecken, Steckdosen abmontieren oder abkleben. Risse spachteln, abschleifen, Staub entfernen. Primern, wo nötig – sonst saugt die Farbe und es entstehen Flecken.
2. Ecken und Kanten („Schneiden“)
Tauch den Pinsel etwa 1 cm tief ein, streife die überflüssige Farbe am Eimerrand ab. Male einen ca. 5 cm breiten Streifen entlang aller Kanten, Ecken und um Fenster/Türen herum. Arbeite zügig, damit die Farbe nicht antrocknet.
3. Fläche rollen
Fülle die Farbwanne etwa 2 cm hoch. Rolle den Roller gleichmäßig ein, nicht zu nass. Beginne an einer Ecke, rolle in „W“- oder „M“-Form, verteile die Farbe kreuz und quer. Dann ohne Druck nachstreichen, um Schlieren zu vermeiden. Immer nass-in-nass arbeiten, nasse Ränder nicht trocknen lassen. Pro Wandabschnitt von oben nach unten.
4. Zweiter Anstrich
Nach Trocknung (meist 4–6 Stunden, bei hoher Luftfeuchtigkeit länger) den zweiten Anstrich wiederholen. Meist reichen zwei Anstriche für sattes Deckvermögen.

Kosten – eine realistische Aufstellung
Die Gesamtkosten für einen 20 m² Raum (ca. 50 m² Wandfläche, zwei Anstriche) setzen sich so zusammen:
- Wandfarbe (10 Liter, gute Deckkraft): 30–70 € (z. B. Alpina Weiß 10 l ca. 40 €, Schöner Wohnen ca. 50 €)
- Grundierung (5 Liter): 10–20 €
- Spachtelmasse (ca. 1 kg): 5–10 €
- Farbroller 2 Stück: 10–20 €
- Pinsel 2 Stück: 6–12 €
- Farbwanne inkl. Gitter: 5–10 €
- Malerkrepp (30 m): 3–5 €
- Abdeckfolie (4 m × 5 m): 5–8 €
- Rührquirl: 5–10 €
- Gesamt: ca. 79–165 €
Wer bereits Werkzeug besitzt, spart. Profi-Farben (z. B. Caparol) können teurer sein (70–100 € für 10 l), decken aber oft besser.
Typische Fehler
- Falsche Mengenberechnung: Zu wenig Farbe – nachkaufen ist aufwändig und man sieht Ansätze. Zu viel Farbe – offene Eimer trocknen ein.
- Keine Grundierung bei saugenden Untergründen: Dupen – das Ergebnis wird fleckig und deckt schlecht.
- Zu nasser Roller: Farbe läuft, es tropft und trocknet ungleichmäßig. Besser etwas weniger Farbe aufnehmen.
- Ablaufen lassen des Klebebands: Das Abziehen nach dem Trocknen reißt Farbe mit. Band immer im frischen Zustand entfernen.
- Schlechtes Werkzeug: Billigroller fusseln oder hinterlassen Noppen – spart lieber nicht am Roller.
- Farben an einem zu heißen Tag: Die Farbe trocknet zu schnell, Schlieren bleiben. Ideal: 18–22 °C, keine Zugluft.
Wann zum Fachbetrieb?
Eigenleistung lohnt sich bei normalen Räumen. Aber bei folgenden Fällen solltest du einen Maler engagieren:
- Sehr hohe Decken ab 3 m (Leiter-Arbeit ist aufwändig und gefährlich)
- Stark beschädigte Putze oder Altbau-Untergründe (Gefahr von Haftungsproblemen)
- Edelputz oder Spachteltechniken, die Übung erfordern
- Fassaden oder Außenbereiche (Witterung, Gerüst, spezielle Farben)
- Kostengünstig ist oft ein Maler aus der Region – Angebot einholen lohnt sich bei großen Flächen.
Fazit und Checkliste
Mit der richtigen Vorbereitung und dem passenden Material gelingt das Streichen auch Heimwerkern. Plane ausreichend Zeit ein (ein Tag für Vorbereitung, ein bis zwei Tage für Anstrich). Nutze die folgende Checkliste, um nichts zu vergessen.
- Raumfläche ausgemessen und Farbmenge berechnet (+ Reserve)
- Farbe und Grundierung besorgt (Deckkraftklasse 1 oder 2)
- Werkzeug: Roller, Pinsel, Farbwanne, Krepp, Folie, Spachtel, Rührquirl
- Untergrund geprüft: glatt, trocken, sauber, grundiert
- Möbel und Boden abgedeckt
- Ecken und Kanten vorgestrichen
- Ersten Anstrich in W-Form aufgetragen und verrieben
- Trocknungszeit eingehalten
- Zweiten Anstrich ebenso durchgeführt
- Klebeband im feuchten Zustand abgezogen


























