Raufasertapete überstreichen: Vorbereitung, Farbwahl, Anzahl der Anstriche

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Raufasertapete überstreichen: Vorbereitung, Farbwahl, Anzahl der Anstriche

Raufasertapete überstreichen: Vorbereitung, Farbwahl, Anzahl der Anstriche

Raufasertapete ist der Klassiker in deutschen Wohnungen – günstig, robust und ideal zum Überstreichen. Doch wer schon einmal einen Pinsel geschwungen hat, weiß: Ohne die richtige Vorbereitung und die passende Farbe wird das Ergebnis schnell fleckig oder blättert ab. Dieser Ratgeber zeigt Dir Schritt für Schritt, wie Du Deine Raufasertapete professionell überstreichst – mit konkreten Tipps zu Farbwahl, Anzahl der Anstriche und realistischen Kosten. Ob Altbau oder Neubau, Mietwohnung oder Eigenheim: Hier erfährst Du, worauf es ankommt.

Raufasertapete überstreichen: Vorbereitung, Farbwahl, Anzahl der Anstriche

Vorbereitung der Raufasertapete

Zustand prüfen und reinigen

Bevor Du zur Farbe greifst, muss die Tapete in Ordnung sein. Löse sich ablösende Stellen, Risse oder Blasen? Kleine Schäden kannst Du mit Tapetenkleister (z.B. Metylan Tiefgrund) und einem Spachtel ausbessern. Große Fehlstellen oder starke Verschmutzungen (Fett, Nikotin) erfordern einen kompletten Neuaufbau. Reinige die Fläche mit einem feuchten Tuch oder einem Schwamm – bei Nikotin oder Küchenfett hilft ein mildes Reinigungsmittel (Spülmittel + Wasser). Danach gut trocknen lassen (mindestens 4 Stunden bei 20 °C).

Grundieren – ja oder nein?

Raufasertapete ist saugfähig. Ohne Grundierung saugt die alte Tapete die Farbe ungleichmäßig auf, es entstehen Flecken. Verwende eine spezielle Vliestapeten-Grundierung oder einen Tiefgrund (z.B. Caparol Tiefgrund TB). Für eine normale Raufasertapete reicht ein Anstrich mit einer Farbe, die bereits Grundierung enthält („2-in-1“). Bei stark saugenden oder dunklen Untergründen besser extra grundieren: Rolle den Tiefgrund mit einer Lammfellrolle (9 mm Flor) auf, arbeite gleichmäßig und warte 6 Stunden Trockenzeit. Ein Liter reicht für ca. 10 m².

Abkleben und Abdecken

Sockelleisten, Fensterrahmen, Steckdosen und Schalter sorgfältig mit Malerkrepp abkleben (Breite: 25 mm – 50 mm). Boden und Möbel mit Malerfolie (Stärke 0,1 mm) abdecken. Vergiss nicht, die Folie am Rand mit Klebeband zu fixieren. Steckdosen und Lichtschalter vor dem Streichen demontieren – die Abdeckungen abnehmen und die Drähte mit Isolierband abdecken. Bei Unsicherheit: Elektriker hinzuziehen.

Farbwahl: Welche Farbe für Raufasertapete?

Farbart und Bindemittel

Verwende eine hochwertige Dispersionsfarbe (wasserlöslich, aber nach Trocknung wasserfest) für den Innenbereich. Produkte wie Alpina Feine Farben, Caparol CapaMaXX oder Schöner Wohnen Polarweiß sind bewährt. Achte auf folgende Eigenschaften:

  • Nassabriebsklasse 1–2: bedeutet scheuerbeständig, für Wohnräume gut geeignet.
  • Ergiebigkeit: 6–8 m² pro Liter bei einem Anstrich. Gute Farben decken bereits nach zwei Anstrichen.
  • Weißgrad: Bei Weißfarben ist ein hoher Weißgrad (≥95%) wichtig für ein strahlendes Ergebnis.
  • Mattfinish: Matt oder seidenmatt kaschiert Unebenheiten der Raufasertapete.

Farbton und Qualität

Für Raufasertapete eignen sich alle Farben – von Weiß über Pastelltöne bis zu kräftigen Farben. Bei farbigen Tönen (z.B. Blau, Grün) ist eine gute Deckkraft entscheidend. Günstige Farben (unter 15 €/5 L) enthalten oft viel Wasser und wenig Bindemittel – sie decken schlecht und erfordern drei oder mehr Anstriche. Investiere lieber in eine hochwertige Markenfarbe (ab 25 €/5 L).

Werkzeug und Materialien

Pinsel und Rollen

Für die Ecken und Kanten brauchst Du einen Fensterpinsel (60 mm breit) oder einen Eckenpinsel. Für die Flächen verwendest Du eine Farbrolle (Lammfell oder Mikrofaser, Florhöhe 10–12 mm für Raufaser). Empfehlung: Rolle mit 25 cm Breite, dazu einen Rollkorb oder einen Farbbecher mit Riffelblech. Ein langer Teleskopstiel (1,5 m) entlastet den Rücken.

Zubehör

  • Farbwannen (2 Stück – eine für die Farbe, eine ausgeleierte für die Rolle)
  • Rührstab (für die Farbe)
  • Schleifklotz oder Schleifpapier (Körnung 120) – für kleine Unebenheiten
  • Spachtelmasse (z.B. Molto Fill&Spachtel)
  • Reinigungstücher, Abfallbeutel

Farbmenge berechnen

Raumfläche (Wände + Decke) messen. Formel: Raumumfang × Raumhöhe. Für eine 4 m × 5 m großer Raum (Höhe 2,5 m) ergibt 18 m Umfang × 2,5 m = 45 m² Wandfläche. Dazu Decke: 4 m × 5 m = 20 m². Gesamtca. 65 m². Bei einer Ergiebigkeit von 7 m²/L pro Anstrich und zwei Anstrichen: (65 m² × 2) / 7 m²/L ≈ 18,6 L → 4 × 5 L-Eimer. Plane immer 10 % Reserve ein.

Anzahl der Anstriche und Arbeitsschritte

Wie viele Anstriche sind nötig?

Bei hellen Vorgängertönen und einer deckenden Farbe reichen meist zwei Anstriche. Bei starken Farbwechseln (z.B. von dunklem Rot zu Weiß) oder bei schlechten Farben können drei oder vier Anstriche erforderlich sein. Teste immer an einer unauffälligen Stelle: Streiche einmal über, warte 4 Stunden, dann mit einem zweiten Anstrich. Wenn der Untergrund durchscheint, brauchst du einen dritten oder einen Farbton in deckender Qualität.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Ersten Anstrich vorbereiten: Farbe gut aufrühren. Gieße die Farbe in die Wanne, tauche die Rolle ein und roll sie auf dem Riffelblech ab, bis sie gleichmäßig benetzt ist. Nicht zu nass arbeiten – die Raufaser könnte aufweichen.
  2. Ecken und Kanten streichen: Mit dem Pinsel entlang der Sockelleisten, Türrahmen, Deckenansätze und Ecken arbeiten. Ziehe schmale Streifen (ca. 5 cm) auf die angrenzenden Flächen – die Rolle kommt später bis dicht an die Kante.
  3. Flächen streichen: Rolle in der Wanne neu beladen, überschüssige Farbe abrollen. Beginne an der Decke: Rolle in Bahnen von einem Ende zum anderen, überlappend (ca. 5 cm). Gießen die Farbe gleichmäßig auf – nicht zu viel Druck. Arbeite zügig, aber ohne Hast. Bei Wänden genauso: von oben nach unten, in Bahnen von ca. 50 cm Breite. Nach dem Rollen kurz mit der leeren Rolle „abrollen“ (entlastet) – vermeidet Nasen.
  4. Trockenzeit: Nach dem ersten Anstrich mindestens 4–6 Stunden warten (bei guter Belüftung und 20 °C). Bei hoher Luftfeuchtigkeit (Bad) länger. Nicht heizen, um die Trocknung zu beschleunigen – das kann zu Rissen führen.
  5. Zweiten Anstrich: Genauso wie den ersten, aber in die entgegengesetzte Richtung rollen (kreuzweise zur ersten Schicht). Das sorgt für eine gleichmäßige Deckung. Bei Bedarf dritten Anstrich nach weiteren 6 Stunden.
  6. Nacharbeiten: Trockene Farbe auf Tapetenresten? Mit einem feuchten Schwamm vorsichtig abtupfen. Klebestreifen entfernen, solange die Farbe feucht ist, sonst reißt die Tapete ein. Danach Steckdosen und Schalter montieren.

Kosten für das Überstreichen von Raufasertapete

Die Kosten variieren je nach Raumgröße und Qualität der Materialien. Hier eine realistische Aufstellung für einen Raum mit 65 m² Fläche (Wände + Decke):

  • Farbe (hochwertig, 2,5 L-Eimer): 2 × 5 L = 10 L, Preis pro Eimer 30 € → 60 € (bei 2 Anstrichen reichen 10 L knapp, besser 4 × 5 L = 120 €). Tatsächlich braucht man 4 Eimer á 5 L für zwei Anstriche (65 m² × 2 Anstriche / 7 m²/L ≈ 18,6 L → 4 Eimer à 5 L). Hochwertige Farbe: 25–35 €/5 L → ca. 100–140 €.
  • Grundierung (Tiefgrund, 1 L): 10–15 €
  • Rollen und Pinsel: Rollenset (2 Rollen + Korb + Verlängerung) 15–25 €, Pinsel 5–10 € → 20–35 €
  • Abdeckmaterial: Malerfolie (10 m Rolle) 5 €, Malerkrepp 5 €, Lappen 3 € → 13 €
  • Spachtelmasse und Kleister: 5–10 €
  • Gesamt (Material): ca. 150–210 €
  • Arbeitszeit (Eigenleistung): Für einen Raum 65 m² ca. 8–12 Stunden (incl. Trockenzeit verteilt auf 2 Tage). Stundenlohn nicht berechnet.

Wenn Du einen Maler beauftragst, kalkuliere ca. 25–40 €/m² (incl. Material, je nach Region und Zustand). Für 65 m² wären das 1.625–2.600 €.

Typische Fehler beim Überstreichen von Raufasertapete

  • Keine Grundierung bei starker Saugfähigkeit: Die Farbe zieht ungleichmäßig ein, es entstehen Flecken. Abhilfe: Tiefgrund vorstreichen.
  • Zu dicker Farbauftrag: Läufer und Nasen bilden sich. Lieber dünne Schichten, dafür mehrere Anstriche.
  • Nasser Untergrund: Tapete weicht auf, löst sich. Immer darauf achten, dass alles trocken ist.
  • Falsche Rollrichtung: Immer in eine Richtung rollen, nicht kreuz und quer. Sonst entstehen Streifen.
  • Farbton zu dunkel gewählt: Dunkle Farben decken schlechter. Bei kräftigen Farben sind drei Anstriche normal.
  • Billigfarbe verwendet: Spare nicht an der falschen Stelle. Gute Farbe deckt besser und hält länger.
  • Abkleben vergessen: Farbe auf Sockelleisten oder Fensterrahmen – nachträgliches Reinigen aufwendig.

Wann zum Fachbetrieb?

In folgenden Fällen solltest Du einen Profi beauftragen:
Wenn die Tapete stark beschädigt ist (große Risse, feuchte Stellen, Schimmelverdacht) – hier muss vorher saniert werden.
Bei sehr hohen Räumen (mehr als 3 m Deckenhöhe) – das Arbeiten mit der Rolle ist ohne Gerüst gefährlich.
Wenn Du eine extrem glatte Oberfläche wünschst, die auch nach mehrmaligem Streichen noch fein aussieht. Fachbetriebe haben Airless-Spritzgeräte für ein makelloses Finish.
Bei Elektrik- oder Statikfragen: Wenn Du Steckdosen versetzen oder Wände durchbrechen lässt, ist ein zugelassener Elektriker oder Statiker nötig.

Checkliste zum Ausdrucken

  • Zustand der Tapete prüfen (Risse, Blasen, lose Stellen ausbessern)
  • Untergrund reinigen (fettfrei, staubfrei)
  • Grundieren (bei starker Saugfähigkeit oder dunklen Vorgängertönen)
  • Abkleben und Abdecken (Sockelleisten, Fenster, Türen, Steckdosen demontieren)
  • Farbmenge berechnen (Fläche × 2 Anstriche / Ergiebigkeit + 10 % Reserve)
  • Geeignete Farbe wählen (Dispersionsfarbe, matt, Nassabriebklasse 1–2)
  • Werkzeug bereitlegen (Rolle, Pinsel, Wannen, Rührstab, Teleskopstiel)
  • Ersten Anstrich ausführen (Ecken und Kanten zuerst, dann Flächen)
  • Trockenzeit einhalten (mindestens 4–6 Stunden bei 20 °C)
  • Zweiten Anstrich ausführen (kreuzweise zur ersten Schicht)
  • Nach dem Trocknen Klebeband abziehen, Steckdosen montieren
  • Bei Bedarf dritten Anstrich
  • Werkzeug reinigen (Rollen und Pinsel gründlich mit Wasser auswaschen)
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