Heizung entlüften und Druck prüfen: Ablauf, Werkzeug, häufige Fehler

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Heizung entlüften und Druck prüfen: Ablauf, Werkzeug, häufige Fehler

Heizung entlüften und Druck prüfen: Ablauf, Werkzeug,

Jeder Haushalt in Deutschland kennt das Problem: Die Heizung gluckert, wird nicht richtig warm oder einzelne Heizkörper bleiben kalt. Oft liegt es an Luft im System oder zu niedrigem Wasserdruck. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Heizung entlüften und den Druck prüfen – mit konkretem Werkzeug, realistischen Preisen und Hinweisen für Mietwohnungen, Alt- und Neubauten.

Heizung entlüften und Druck prüfen: Ablauf, Werkzeug, häufige Fehler

Wann muss die Heizung entlüftet werden?

Anzeichen sind gluckernde Geräusche in den Heizkörpern, ungleichmäßige Wärmeverteilung (oben warm, unten kalt) oder ein Rauschen in den Rohren. Auch nach dem Befüllen der Anlage oder nach einem Wasserverlust ist Entlüften nötig. Bei Mietwohnungen sind Sie als Mieter meist selbst für das Entlüften der Heizkörper zuständig, sofern das Heizsystem zugänglich ist – bei Problemen mit dem Kessel oder der Umwälzpumpe ist jedoch der Vermieter bzw. Fachbetrieb gefragt.

Werkzeug und Materialien

Für das Entlüften und die Druckprüfung benötigen Sie:

  • Entlüfterschlüssel (Vierkant oder Sechskant, meist 4 mm oder 5 mm, erhältlich im Bauhaus, OBI, toom für ca. 1–3 €)
  • Lappen oder Behälter (kleine Schüssel, z. B. aus Metall oder Kunststoff, ca. 0,5 l Fassungsvermögen)
  • Füllschlauch (für den Anschluss an das Heizungsventil, falls Druck nachgefüllt werden muss, z. B. mit Klicksystem – ca. 10–15 € im Baumarkt)
  • Manometer (meist fest im Heizkessel verbaut; zur Kontrolle reicht das eingebaute, ortsfeste Gerät)
  • Wasserwaage (optional, zum Überprüfen der Rohrneigung)
  • Handschuhe (Schutz vor heißem Wasser und Rost)
  • Ggf. Reinigungsmittel für verschmutzte Ventile (keine Chemikalien, nur Wasser und Lappen)

Heizung entlüften: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Heizung ausschalten und abkühlen lassen

Schalten Sie die Heizungsanlage aus (Regler auf „Aus“ oder Sommerbetrieb) und warten Sie mindestens 30 Minuten, bis das Wasser abgekühlt ist. Sonst spritzt heißes Wasser und es besteht Verbrühungsgefahr.

2. Heizkörper nacheinander entlüften

Beginnen Sie immer mit dem niedrigsten Heizkörper im Haus (z. B. Keller) und arbeiten Sie sich nach oben. Öffnen Sie das Entlüftungsventil vorsichtig mit dem Entlüfterschlüssel – etwa eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Halten Sie den Lappen darunter. Es zischt und es tritt Luft aus. Sobald Wasser (ohne Blasen) austritt, schließen Sie das Ventil wieder. Gehen Sie zum nächsten Heizkörper. Achtung: Bei Fußbodenheizungen gibt es eigene Entlüftungsventile an den Vor- und Rücklaufverteilern – hier im Zweifel Fachbetrieb beauftragen.

3. Systemdruck prüfen

Nach dem Entlüften sinkt der Wasserdruck. Lesen Sie das Manometer am Kessel ab (meist zwischen 1,0 und 2,0 bar – optimal 1,5 bar bei kalter Anlage). Liegt der Druck unter 0,8 bar, muss Wasser nachgefüllt werden.

Druck prüfen und nachfüllen

Der korrekte Druck ist wichtig für die Zirkulation. Bei Einfamilienhäusern mit Gastherme ist der Sollwert meist im Handbuch genannt (ca. 1,5 bar). In Mehrfamilienhäusern mit zentraler Heizung liegt der Druck oft zwischen 1,0 und 2,5 bar; die genauen Werte erfahren Sie vom Hausmeister oder der Hausverwaltung.

So füllen Sie Wasser nach:

  • Schließen Sie den Füllschlauch an das Heizungsfüllventil an (meist am Kessel oder an einer separaten Armatur).
  • Öffnen Sie langsam das Ventil (Wasserhahn oder Kugelhahn) und beobachten Sie das Manometer.
  • Füllen Sie bis zum gewünschten Druck (z. B. 1,5 bar).
  • Schließen Sie das Ventil und entfernen Sie den Schlauch – Restwasser auffangen.
  • Hinweis: In Neubauten mit mehreren Etagen kann das Entlüften und Nachfüllen mehrmals nötig sein, bis die ganze Luft draußen ist.

Heizung entlüften und Druck prüfen: Ablauf, Werkzeug, häufige Fehler

Kosten für Werkzeug und Material

  • Entlüfterschlüssel: 1–5 € (Metall, oft aus Vierkantstahl)
  • Füllschlauch 1/2 Zoll mit Klickanschluss: 8–15 € (Marken wie Viega oder uponor)
  • Wasserhahnanschluss (falls kein Füllventil vorhanden): 10–20 €
  • Manometer (optional als Ersatz): 15–30 €
  • Heizungswasser-Nachfüllanlage (für häufiges Nachfüllen, z. B. von Refix): 30–60 €
  • Ggf. Service durch Fachbetrieb: 80–150 € pro Stunde zzgl. Anfahrt (20–50 €)

Typische Fehler

  • Heizkörper bei laufender Heizung entlüften: Heißes Wasser spritzt – Verbrühungsgefahr. Immer vorher Heizung ausschalten und abkühlen lassen.
  • Ventil zu weit aufdrehen: Das Innenteil kann herausfallen und das Wasser läuft unkontrolliert aus. Nur eine halbe Umdrehung öffnen.
  • Druck zu niedrig oder zu hoch: Unter 0,8 bar kann die Umwälzpumpe Schaden nehmen; über 2,5 bar öffnet das Sicherheitsventil und es tropft. Ideal: 1,5 bar kalt.
  • Füllwasser mit Zusätzen: Leitungswasser ist in Ordnung, aber bei häufigerem Nachfüllen kann sich Kalk absetzen. In Neubauten wird oft enthärtetes Wasser empfohlen. Keine Frostschutzmittel oder Duftöle verwenden.
  • Zentrale Heizung in Mietwohnung ohne Absprache: Bei einem zentralen System (Nachtspeicher oder Fernwärme) dürfen Mieter oft nicht selbst nachfüllen – Hausmeister fragen.
  • Fehlende Vorsorge im Altbau: Alte Ventile sind oft verkalkt oder klemmen. Vor dem Entlüften mit etwas WD40 einsprühen (vorsichtig, nicht auf Lack).
  • Nach dem Entlüften nicht nachgefüllt: Der Druck sinkt, die Heizung wird wieder gluckern. Gleich anschließend prüfen und nachfüllen.

Wann zum Fachbetrieb?

In diesen Fällen sollten Sie einen Heizungsinstallateur rufen (z. B. auf der Suche über das Heimatwerk der Innung):

  • Der Druck fällt immer wieder schnell ab (Leckage).
  • Die Heizung stellt sich nach dem Entlüften selbstständig aus (Sicherheitsabschaltung).
  • Es tritt ständig Wasser aus dem Sicherheitsventil aus.
  • Die Umwälzpumpe läuft geräuschvoll oder heiß.
  • Sie haben eine Fußbodenheizung mit mehreren Heizkreisen – hier besteht Verwechslungsgefahr.
  • In der Mietwohnung: Bei Problemen mit der zentralen Heizungsanlage (Kessel, Steuerung) immer den Vermieter kontaktieren.
  • Gas-Heizungen: Arbeiten an Gasleitungen sind generell dem Fachbetrieb vorbehalten.

Für einfaches Entlüften und Druckprüfen ist jedoch kein Spezialist nötig – Sie sparen sich die Anfahrtkosten von ca. 50 €.

Checkliste für das Entlüften und Druckprüfen

  • Heizung ausgeschaltet und abgekühlt (mind. 30 Min.)
  • Entlüfterschlüssel bereit (meist 4 mm Vierkant)
  • Lappen oder Schale für austretendes Wasser
  • Entlüften vom niedrigsten zum höchsten Heizkörper
  • Nur bis zum ersten Wasserstrahl ohne Blasen öffnen
  • Manometer nach dem Entlüften ablesen (Soll max. 2,5 bar, min. 0,8 bar)
  • Ggf. Wasser nachfüllen bis 1,5 bar (kalt)
  • Heizung wieder einschalten und auf erneute Geräusche prüfen
  • Bei häufigen Problemen: Fachbetrieb rufen

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