Innentüren streichen: So lackieren Sie Türblatt und
Vergilbte Innentüren lassen eine gepflegte Wohnung schnell älter wirken, auch wenn Boden und Wände frisch sind. Mit dem richtigen Lackaufbau können Sie Türblatt und Zarge in der Mietwohnung sauber erneuern, ohne gleich neue Türen für 180 bis 450 EUR pro Stück kaufen zu müssen.
Wichtig sind gute Vorbereitung, passende Trocknungszeiten und ein realistischer Platzbedarf. Ein Standard-Türblatt nach DIN 18101 hat häufig etwa 86 x 198,5 cm, dazu kommt die Zarge mit meist 10 bis 16 cm Wandstärke im Altbau oder Neubau.
Auf einen Blick
- Geeignet für: vergilbte, zerkratzte oder farblich unpassende Innentüren aus Holzwerkstoff, Furnier oder lackierter Oberfläche.
- Kosten: etwa 45 bis 95 EUR pro Tür inklusive Schleifpapier, Grundierung, Lack, Rollen und Klebeband.
- Zeitbedarf: realistisch 1 Wochenende pro 2 Türen, wenn Türblatt und Zarge gestrichen werden.
- Mietwohnung: auffällige Farbwechsel, etwa von Weiß auf Anthrazit, sollten vorher mit dem Vermieter abgestimmt werden.
Material, Kosten und Platz richtig planen
Für eine normale Innentür brauchen Sie kein Profi-Spritzgerät. Sauberer und mietwohnungstauglicher ist der Auftrag mit Lackrolle und Pinsel, weil weniger Sprühnebel entsteht und angrenzende Flächen leichter geschützt werden.
Rechnen Sie für einen wasserbasierten Acryllack mit 15 bis 28 EUR pro 750 ml. Für zwei Anstriche auf einer Standardtür inklusive Zarge benötigen Sie je nach Deckkraft oft 750 ml bis 1 l. Eine haftstarke Grundierung kostet meist 12 bis 22 EUR pro 750 ml, gutes Malerkrepp 5 bis 9 EUR pro Rolle und Schleifpapier in mehreren Körnungen 6 bis 12 EUR.
Eine brauchbare Schaum- oder Flockrolle für Lack kostet 4 bis 8 EUR, ein Flachpinsel für Kanten und Profile 6 bis 14 EUR. Wer Böcke zum Ablegen des Türblatts kauft, zahlt etwa 20 bis 40 EUR pro Paar. In der Praxis reichen in vielen Haushalten aber zwei stabile Klappböcke oder eine sauber abgedeckte Arbeitsplatte.
Planen Sie mindestens 2,20 x 1,20 m freie Fläche pro liegendem Türblatt ein. In einer 75 m² Altbauwohnung in Hamburg wird dafür häufig das Wohnzimmer genutzt, weil Flur und Küche zu schmal sind. Decken Sie den Boden mit Malervlies ab, nicht nur mit dünner Folie, denn Folie rutscht und nimmt Lacktropfen schlecht auf.
Wenn Sie gleichzeitig Wände streichen, arbeiten Sie zuerst an der staubigen Vorbereitung der Türen und danach an den Wandflächen. Mehr zur sinnvollen Reihenfolge finden Sie im Ratgeber Renovierung in der Mietwohnung planen.
Entscheidungs-Checkliste: Sollten Sie die Tür wirklich streichen?
- Ja/Nein: Ist die Tür technisch intakt, also nicht verzogen, aufgequollen oder stark beschädigt?
- Ja/Nein: Haben Sie mindestens 18 bis 22 Grad Raumtemperatur und gute Lüftungsmöglichkeit?
- Ja/Nein: Können Sie das Türblatt für 24 bis 48 Stunden ausgehängt lagern?
- Ja/Nein: Ist die vorhandene Beschichtung tragfähig und blättert nicht großflächig ab?
- Ja/Nein: Passt der neue Farbton zum Mietrecht und ist bei kräftigen Farben abgestimmt?
- Ja/Nein: Haben Sie genug Zeit für Reinigen, Schleifen, Grundieren und zwei Lackschichten?

Schritt 1: Tür prüfen, Beschläge abbauen und Mietrecht klären
Hängen Sie das Türblatt aus und legen Sie es waagerecht auf Böcke. Entfernen Sie Drückergarnitur, Rosetten, Schließblech nur wenn nötig und möglichst auch das Einsteckschloss. Fotografieren Sie vorher die Positionen, damit der Zusammenbau später ohne Rätsel funktioniert.
Bei älteren Türen im Altbau sitzen Schrauben oft fest oder sind mehrfach überlackiert. Kratzen Sie Lack aus dem Schraubenschlitz mit einem Cutter vorsichtig frei und drücken Sie den Schraubendreher exakt gerade an. Abgenutzte Schrauben sollten Sie ersetzen, ein kleines Sortiment kostet im Baumarkt etwa 4 bis 8 EUR.
In einer Mietwohnung gilt: Normales Renovieren in neutralen Farben ist üblicherweise unproblematisch, dauerhafte oder sehr auffällige Veränderungen können aber Ärger verursachen. Wenn eine weiße Wohnungstür dunkelgrün oder schwarz werden soll, holen Sie eine schriftliche Zustimmung ein. Beim Auszug kann der Vermieter unter Umständen eine fachgerechte Rückgabe in neutralem Zustand verlangen, wenn die Gestaltung nicht üblich ist.
Prüfen Sie auch, ob die Tür überhaupt streichfähig ist. CPL- oder HPL-beschichtete Türen sind sehr glatt und brauchen spezielle Haftgrundierung. Echtholzfurnier darf nur vorsichtig angeschliffen werden, weil die Furnierschicht dünn sein kann.
Schritt 2: Reinigen, anschleifen und Schäden ausbessern
Fett und Nikotin entfernen
Der häufigste Grund für schlechte Lackhaftung ist nicht der Lack, sondern Schmutz. Reinigen Sie Türblatt und Zarge zuerst mit warmem Wasser und einem milden Anlauger oder einem fettlösenden Haushaltsreiniger. Danach mit klarem Wasser nachwischen und vollständig trocknen lassen.
Erfahrungsgemäß ist besonders der Bereich um die Türklinke stärker verschmutzt, als er aussieht. Dort liegen Hautfett, Handcreme und alte Reinigungsmittelreste. Wenn die Fläche nach dem Reinigen noch speckig glänzt, wiederholen Sie den Vorgang.
Richtig schleifen
Für intakte Altbeschichtungen reicht meist ein Anschliff mit Körnung 180 bis 240. Ziel ist keine rohe Holzfläche, sondern eine gleichmäßig matte Oberfläche. Kanten und Profile an der Zarge schleifen Sie von Hand mit einem Schleifvlies, damit keine Riefen entstehen.
Abplatzungen und Kerben füllen Sie mit 2K-Feinspachtel oder Holzspachtel. Kleine Tuben kosten etwa 5 bis 12 EUR. Nach dem Aushärten schleifen Sie die Stelle plan, sonst bleibt sie nach dem Lackieren als Delle oder Buckel sichtbar.
Typischer Fehler in deutschen Altbauwohnungen: Die Zarge wird nur vorne gestrichen, die schmale Falzseite aber vergessen. Genau dort reibt später das Türblatt, und alter vergilbter Lack bleibt sichtbar. Streichen Sie deshalb auch den Falz, aber nicht so dick, dass die Tür anschließend klemmt.
Schritt 3: Grundieren und den passenden Lack wählen
Eine Grundierung ist sinnvoll, wenn die alte Oberfläche stark vergilbt, fleckig, sehr glatt oder dunkel ist. Bei Nikotin- oder Wasserflecken kann ein isolierender Sperrgrund nötig sein, der meist 16 bis 30 EUR pro 750 ml kostet. Ohne Sperrwirkung können gelbliche Schatten wieder durch den neuen Weißlack kommen.
Für Innentüren in Wohnräumen empfehle ich wasserbasierte Acryllacke oder PU-verstärkte Acryllacke. Sie riechen weniger stark als lösemittelhaltige Kunstharzlacke, trocknen schneller und sind in bewohnten Wohnungen praktischer. Achten Sie auf Angaben zur Blockfestigkeit, denn Tür und Zarge berühren sich später im Falz.
Die handwerkliche Ausführung orientiert sich bei Malerarbeiten an Grundsätzen, wie sie etwa in DIN 18363 für Beschichtungsarbeiten beschrieben werden. Für Heimwerker heißt das konkret: tragfähiger Untergrund, saubere Kanten, ausreichende Trocknung und keine Beschichtung auf Staub, Fett oder losen Schichten.
Der Glanzgrad entscheidet stark über die Wirkung. Seidenmatt verzeiht kleine Unebenheiten besser und passt gut zu Altbau-Zargen. Seidenglänzend ist robuster zu reinigen, zeigt aber Läufer und Schleiffehler schneller. Für Familienflure und WG-Zimmer ist meist seidenmatt bis seidenglänzend sinnvoll.
Wenn Türen durch Geräusche im Flur stören, lösen Lackarbeiten das Problem nicht. Dann lohnt ein eigener Blick auf Dichtungen, Türspalt und Bodenabschluss, siehe Schallschutz bei Innentüren.
Schritt 4: Lackieren, trocknen und montieren

Türblatt lackieren
Beginnen Sie mit Kanten und Profilen. Tragen Sie den Lack dünn mit dem Pinsel auf und rollen Sie angrenzende Flächen sofort nach. Große glatte Türflächen rollen Sie in Bahnen, erst quer verteilen, dann längs verschlichten.
Aus eigener Erfahrung ist ein dünner zweiter Anstrich fast immer besser als ein satter erster Auftrag. Zu viel Lack führt an den Kanten zu Nasen und im Falz zu klebenden Kontaktflächen. Halten Sie die vom Hersteller angegebene Überarbeitungszeit ein, häufig liegt sie bei 6 bis 12 Stunden.
Die Rückseite streichen Sie erst, wenn die Vorderseite ausreichend griffest ist. Legen Sie weiche, saubere Unterlagen unter, damit sich keine Druckstellen bilden. Bei Weißlack auf dunkler Tür sind oft Grundierung plus zwei Deckschichten nötig.
Zarge streichen
Die Zarge bleibt meist eingebaut. Kleben Sie Wand, Boden, Dichtung und Schließblech sauber ab. An der Wandseite lohnt ein hochwertiges Klebeband für empfindliche Untergründe, besonders bei frisch gestrichenen Wänden oder Rauhfaser.
Arbeiten Sie von oben nach unten: erst Querzarge, dann seitliche Zargen. Kontrollieren Sie nach 10 Minuten Kanten und Ecken auf Läufer. Lacknasen lassen sich frisch noch verstreichen, getrocknet müssen sie geschliffen werden.
Montieren Sie Beschläge erst wieder, wenn der Lack gut durchgetrocknet ist. Griffest bedeutet nicht vollständig belastbar. Viele Wasserlacke sind nach einigen Stunden staubtrocken, erreichen ihre volle Härte aber erst nach mehreren Tagen. In dieser Zeit Türen nicht zuknallen und Dichtungen nicht unnötig belasten.
Kostenbeispiel für 3 Türen in einer Mietwohnung
Ein realistisches Beispiel: In einer 3-Zimmer-Mietwohnung in Köln sollen drei weiße Innentüren mit Zargen aufgefrischt werden. Die Türen sind 86 x 198,5 cm groß, die Zargen haben 14 cm Wandstärke, der vorhandene Lack ist matt vergilbt, aber tragfähig.
- 2 l PU-Acryllack weiß seidenmatt: etwa 55 EUR
- 1 l Haftgrund weiß: etwa 24 EUR
- Schleifpapier Körnung 180 und 240 plus Schleifvlies: etwa 11 EUR
- 2 Lackrollen, 1 Pinsel, 1 Farbwanne: etwa 24 EUR
- Malerkrepp und Malervlies anteilig: etwa 18 EUR
- Feinspachtel und Ersatzschrauben: etwa 14 EUR
Damit liegen die Materialkosten bei rund 146 EUR, also knapp 49 EUR pro Tür. Wenn ein Malerbetrieb beauftragt wird, sind je nach Region, Zustand und Aufwand grob 120 bis 250 EUR pro Tür inklusive Zarge realistisch. Bei stark beschädigten Türen, vielen Profilen oder Sperrgrund gegen Nikotin kann es teurer werden.
Neue einfache CPL-Innentüren aus dem Baumarkt starten oft bei etwa 90 bis 160 EUR pro Türblatt, ohne Zarge, Drücker und Montage. Mit Zarge, Beschlägen und Einbau landen viele Projekte eher bei 280 bis 600 EUR pro Tür. Streichen lohnt sich daher besonders, wenn die vorhandenen Türen maßlich passen und technisch in Ordnung sind.
Haltbarkeit, Pflege und typische Probleme
Frisch lackierte Türen sollten in den ersten 7 Tagen vorsichtig behandelt werden. Reinigen Sie nur trocken oder mit leicht feuchtem Tuch, nicht mit Scheuermilch oder aggressivem Küchenreiniger. Nach vollständiger Durchhärtung reicht meist ein mildes Spülmittelwasser.
Wenn die Tür nach dem Lackieren klemmt, liegt es oft an zu dicken Lackschichten im Falz oder an alten Farbschichten auf Farbschichten. Markieren Sie die Reibestelle mit Kreide, öffnen und schließen Sie die Tür vorsichtig und schleifen Sie nur dort nach. Danach sehr dünn nachlackieren.
Bei Abplatzungen an Kanten war häufig die Vorbereitung unzureichend oder die Tür wurde zu früh montiert. Kleine Schäden lassen sich punktuell anschleifen und ausbessern. Bei großflächigem Abblättern muss der Lackaufbau zurück auf einen tragfähigen Untergrund.
Wer ohnehin neue Sockelleisten, Wandfarbe und Türgriffe plant, sollte die Reihenfolge klären. Praktisch ist: erst Türen vorbereiten und grundieren, dann Wände streichen, danach Türen endbeschichten und Beschläge montieren. Passende Hinweise zur Farbwirkung im Flur finden Sie unter Flur farblich gestalten.
Zusammenfassung
- Türzustand prüfen: verzogene, aufgequollene oder stark beschädigte Türen besser ersetzen statt streichen.
- In der Mietwohnung neutrale Farben wählen oder auffällige Farbtöne vorher schriftlich abstimmen.
- Beschläge abbauen, Flächen gründlich entfetten und gleichmäßig mit Körnung 180 bis 240 anschleifen.
- Bei glatten, dunklen oder fleckigen Untergründen Haftgrund oder Sperrgrund einplanen.
- Lack dünn in zwei Schichten auftragen und Kanten sowie Falz besonders kontrollieren.
- Pro Tür mit etwa 45 bis 95 EUR Materialkosten rechnen, bei Malerarbeiten deutlich mehr.
- Tür erst montieren, wenn der Lack ausreichend belastbar ist, sonst drohen Abdrücke und klebende Falze.
Häufige Fragen
Kann ich Innentüren in der Mietwohnung einfach weiß streichen?
Wenn die Türen bereits weiß oder neutral hell sind und fachgerecht aufgefrischt werden, ist das üblicherweise unproblematisch. Bei starken Farbwechseln oder sichtbaren Gestaltungsentscheidungen sollten Sie vorher die Zustimmung des Vermieters einholen.
Muss ich die Tür vor dem Streichen komplett abschleifen?
Nein, bei tragfähigem Altlack reicht normalerweise ein gründlicher Anschliff mit Körnung 180 bis 240. Komplettes Abschleifen ist nur nötig, wenn alte Lackschichten abblättern oder keine Haftung mehr haben.
Welcher Lack ist für Innentüren am besten?
Für bewohnte Wohnungen sind wasserbasierte Acryllacke oder PU-verstärkte Acryllacke praktisch. Sie sollten blockfest, abriebfest und für Holz oder beschichtete Holzwerkstoffe geeignet sein.
Wie lange darf ich die Tür nach dem Lackieren nicht schließen?
Das hängt vom Lack ab. Viele Produkte sind nach einigen Stunden staubtrocken, sollten aber 24 bis 48 Stunden nicht stark belastet werden. Voll belastbar sind sie oft erst nach mehreren Tagen.
Warum wird weißer Lack nach einiger Zeit gelb?
Vergilbung kann durch alten Nikotinbelag, fehlenden Sperrgrund, wenig Tageslicht oder ungeeigneten Altlack entstehen. Bei fleckigen oder stark vergilbten Türen ist ein isolierender Grundanstrich sinnvoll.
Was kostet es, eine Innentür vom Maler streichen zu lassen?
Für Türblatt und Zarge sind grob 120 bis 250 EUR pro Tür realistisch, je nach Zustand, Profilierung, Region und Lackaufbau. Mehrere Türen in einem Auftrag sind pro Stück oft günstiger als eine Einzeltür.



























