Tapete richtig entfernen: Werkzeug, Einweichen, Untergrund prüfen
Tapeten entfernen gehört zu den lästigsten, aber oft unvermeidlichen Aufgaben bei der Renovierung. Ob Sie eine alte Raufaser, Vinyltapete oder einen mehrschichtigen Altbestand loswerden wollen – mit dem richtigen Werkzeug und einer systematischen Vorgehensweise sparen Sie Zeit, Mühe und vermeiden Schäden am Putz. Dieser Ratgeber richtet sich an Heimwerker in deutschen Miet- und Eigentumswohnungen (Alt- und Neubau) und zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Tapeten fachgerecht entfernen, den Untergrund prüfen und welche Kosten realistisch auf Sie zukommen.

Das richtige Werkzeug – was Sie wirklich brauchen
Bevor Sie loslegen, sollten Sie alle benötigten Utensilien besorgen. Ein typischer Werkzeugkasten fürs Tapetenentfernen umfasst:
- Tapetenablöser (Flüssigkonzentrat): z. B. Metylan Tapetenablöser (ca. 8 €/0,5 l) oder Pufas Tapetenlöser (ca. 6 €/0,5 l). Reicht für ca. 100 m².
- Wasser oder Essigwasser: Essig (5 % Säure) kann helfen, alte Kleisterreste zu lösen. Ein Schuss Essig pro Liter Wasser.
- Pflanzensprüher oder Gartensprüher: Für gleichmäßiges Befeuchten. Geeignet sind 1,5-l-Sprüher (ca. 8–15 € im Baumarkt).
- Tapetenschaber und Spachtel: Breite Klinge (8–12 cm) für große Flächen, schmale (4–6 cm) für Ecken und Kanten. Achten Sie auf abgerundete Ecken, um den Putz zu schonen. Preis pro Stück ca. 5–10 €.
- Abdeckfolie und Malerkrepp: Zum Schutz von Böden und Möbeln. 4 m x 10 m Folie ca. 5 €, Malerkrepp 3 €.
- Eimer und Schwamm oder Lappen: Zum Auftragen von Wasser in kleinen Bereichen.
- Spachtelmasse und Glättekelle: Für kleine Ausbesserungen am Putz nach dem Entfernen. Fertigspachtel (z. B. Molto) ca. 8 €/kg.
- Schleifpapier (Körnung 80–120): Zum Glätten der Wand. 5 Blatt ca. 2 €.
- Leiter oder Tritt: Stabile Alu-Leiter (3-stufig, ca. 50 €) oder günstigere Variante.
Optional: ein Dampf-Tapetenablöser (elektrisch) – bei sehr hartnäckigen und mehrlagigen Tapeten lohnenswert. Leihgeräte gibt es ab 15 €/Tag, Kauf ab 40 € (z. B. Kärcher SG 4).
Tapete einweichen – die richtige Technik
Das Einweichen ist der Schlüssel zum Erfolg. Ohne ausreichende Einwirkzeit lässt sich die Tapete nur mühsam abziehen. So gehen Sie vor:
- Wasseransatz mischen: Für normale Raufaser reicht warmes Wasser mit etwas Tapetenablöser (nach Herstellerangabe). Bei Vinyl- oder wasserabweisenden Tapeten müssen Sie die Oberfläche vorher anritzen (mit einem Tapetenrädchen oder einer scharfen Klinge kreuzweise).
- Sprühen oder auftragen: Arbeiten Sie in Bahnen von ca. 1 m Breite. Benetzen Sie die Tapete gleichmäßig, aber nicht zu nass (keine Pfützen). Bei stark saugenden Untergründen (z. B. Gipskarton) weniger Wasser, damit der Karton nicht aufweicht.
- Einwirkzeit: 10–15 Minuten bei Raufaser, 20–30 Minuten bei dickeren Tapeten. Bei mehrlagigen Tapeten müssen Sie Schicht für Schicht einweichen und abziehen.
- Abziehen: Setzen Sie den Spachtel flach an (ca. 30° Winkel) und schieben Sie ihn unter die Tapete. Ziehen Sie in langen, gleichmäßigen Bahnen. Bei starkem Widerstand nochmals einweichen.
- Kleisterreste entfernen: Nach dem Abziehen bleiben oft Kleisterreste. Diese mit warmem Wasser und Schwamm abwaschen.
Achtung: Bei Altbauten mit Kalkputz oder Anstrichen auf Leimfarbe sollte die Tapete vorsichtig abgelöst werden, da der Putz sonst Schaden nimmt. Testen Sie an einer unauffälligen Stelle.
Untergrund prüfen – nach dem Entfernen
Sobald alle Tapeten und Kleisterreste entfernt sind, prüfen Sie den Untergrund:
- Risse und Löcher: Kleine Risse (bis 2 mm) mit Spachtelmasse füllen. Größere (ab 5 mm) mit Armierungsband und Spachtel. Preise: Spachtelmasse ca. 10 €/kg (Molto, Pufas), Armierungsband ca. 5 €/10 m.
- Unebenheiten: Mit einer Wasserwaage prüfen. Abweichungen über 3 mm auf 2 m sollten mit Spachtel ausgeglichen werden (Flächenspachtel, ca. 15 €/10 kg). Feine Unebenheiten (1–2 mm) können übergespachtelt oder mit Vliestapete ausgeglichen werden.
- Saugfähigkeit: Besprühen Sie die Wand mit Wasser. Perlt es ab, ist eine Grundierung nötig (Tiefgrund, ca. 10 €/l für ca. 20 m²). Saugt es stark, ebenfalls grundieren, um die Haftung der nächsten Tapete zu verbessern.
- Putzfestigkeit: Mit einem Spachtel leicht kratzen. Bröselt der Putz, müssen lose Stellen ausgebessert werden (Putzmörtel, ca. 8 €/kg). Bei großflächigem Putzschaden: Fachmann hinzuziehen.
- Schimmel: Dunkle Flecken? Mit Schimmelentferner (ca. 10 €/l) behandeln, Ursache beseitigen (Feuchte, undichte Fenster). Vor dem Tapezieren lüften und trocknen lassen.
Ein intakter Untergrund ist die Basis für jede neue Tapete.

Echte Kosten – was Sie einplanen müssen
Die Kosten variieren je nach Raumgröße, Tapetenart, Zustand des Untergrunds und ob Sie selbst oder ein Profi ran muss. Hier eine realistische Aufstellung für einen typischen 20-m²-Raum (Wände ca. 60 m²):
- Werkzeug (Eigenarbeit, einmalig): 30–60 € (Spachtel, Sprüher, Abdeckfolie, Tapetenablöser, ggf. Rädchen).
- Verbrauchsmaterialien: 10–20 € (Tapetenablöser, ggf. Spachtelmasse, Schleifpapier).
- Leihgerät Dampfablöser: 15–30 €/Tag im Baumarkt.
- Fachbetrieb (Arbeitsleistung): 8–15 € pro m² (je nach Aufwand, Region). Für 60 m² also 480–900 € netto. Inklusive Entsorgung und Untergrundvorbereitung oft 800–1.200 €.
- Entsorgung: Tapetenreste können je nach Kommune in den Restmüll oder als Sperrmüll. Kosten meist im Abfallgebühren enthalten. Bei Containern ca. 100–200 €.
Gesamtkostenbeispiele:
- Selbst machen, einfache Raufaser: 40–80 € (Werkzeug einmalig, Material).
- Selbst machen, mehrere Räume: 100–150 € (inkl. Dampfgerät-Kauf).
- Professionell (komplette Entfernung + Entsorgung): 800–1.200 € für 60 m².
Diese Preise basieren auf Durchschnittswerten von OBI, Bauhaus und Hornbach (Stand 2024).
Typische Fehler beim Tapetenentfernen
- Zu nass arbeiten: Besonders bei Gipskarton oder Lehmputz – die Platten oder der Putz quellen auf und werden brüchig. Besser mit wenig Wasser und längerer Einwirkzeit arbeiten.
- Keine Schutzkleidung: Alte Tapeten können Schimmelsporen oder Asbest (vor 1990) enthalten. Tragen Sie Handschuhe, Schutzbrille und bei Verdacht eine FFP2-Maske.
- Spachtel zu steil ansetzen: Dadurch entstehen Kratzer im Putz. Winkel flach halten.
- Nicht einweichen bei Vinyl- oder beschichteten Tapeten: Diese sind wasserabweisend – vorher anritzen oder mechanisch entfernen (Dampf).
- Untergrund nicht nachbearbeiten: Kleisterreste und lose Putzstellen führen später zu Blasenbildung oder Ablösung der neuen Tapete.
- Risse und Löcher ignorieen: Sie zeichnen sich nach dem Tapezieren ab.
- Keine Grundierung: Vor dem Tapezieren ist Grundierung notwendig, sonst saugt die Wand zu stark und die neue Tapete hält nicht.
Wann zum Fachbetrieb?
In folgenden Fällen sollten Sie die Tapetenentfernung einem Profi überlassen:
- Verdacht auf Asbest oder andere Schadstoffe (fachgerechte Probenahme und Entsorgung).
- Mehrlagige, verklebte Tapeten auf empfindlichen Putzen (z. B. historischer Stuck oder Lehmputz).
- Große Räume (über 100 m²) oder mehrere Stockwerke – Zeit- und Arbeitsaufwand enorm.
- Schimmelbefall hinter den Tapeten – hier ist eine fachmännische Sanierung nötig.
- Mangelnde Zeit oder körperliche Einschränkung – das Hocharbeiten an Decken und schwer zugänglichen Stellen ist anstrengend.
- Wunsch nach perfekt glatten Wänden für eine anschließende Beschichtung oder hochwertige Tapete – Profis spachteln und schleifen oft besser.
Ein Fachbetrieb für Maler- und Tapezierarbeiten kostet in der Regel 40–60 € pro Stunde (netto) plus Material.
Checkliste fürs Tapetenentfernen
- [ ] Raum leer räumen oder Möbel mit Folie abdecken und abkleben.
- [ ] Boden mit Abdeckfolie schützen (an den Kanten mit Krepp fixieren).
- [ ] Werkzeug besorgen: Spachtel, Sprüher, Tapetenablöser, ggf. Dampfgerät.
- [ ] Tapetenart bestimmen: Raufaser, Vinyl, Vlies? Bei wasserabweisenden Tapeten anritzen.
- [ ] Tapeten einweichen (10–30 Min. Einwirkzeit).
- [ ] Tapeten in Bahnen abziehen, ggf. nachweichen.
- [ ] Kleisterreste mit warmem Wasser und Schwamm entfernen.
- [ ] Untergrund prüfen: Risse, Löcher, Saugfähigkeit, Putzfestigkeit, Schimmel.
- [ ] Schäden ausbessern (spachteln, schleifen).
- [ ] Grundierung auftragen (Tiefgrund für saugende/staubende Untergründe).
- [ ] Trocknen lassen (ca. 1 Tag), dann Tapezieren oder Streichen.
Mit dieser Anleitung sind Sie bestens gerüstet, um alte Tapeten effizient zu entfernen und einen perfekten Untergrund für Ihre neue Wandgestaltung zu schaffen. Viel Erfolg!


























