Fliesen bohren ohne Sprünge: Bohrer, Drehzahl, Anzeichnen
Fliesen zu bohren, ohne dass sie springen, ist eine der kniffligsten Aufgaben beim Heimwerken. Ob im Bad, in der Küche oder im Flur – oft müssen Spiegel, Handtuchhalter oder Küchenschränke an geflieste Wände. Der kleinste Fehler kann eine teure Fliese ruinieren. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit dem richtigen Bohrer, der passenden Drehzahl, sauberem Anzeichnen und der geeigneten Dübelwahl jedes Loch sicher hinbekommen. Er richtet sich an ambitionierte Heimwerker, die in deutschen Wohnungen (Alt- und Neubau) selbst bohren möchten, ohne einen Fachbetrieb zu beauftragen.

Das richtige Werkzeug: Bohrer und Maschine
Der wichtigste Faktor beim Fliesenbohren ist der Bohrer. Gewöhnliche Steinbohrer sind ungeeignet, da sie die Glasur der Fliese zerstören. Sie benötigen Spezialbohrer:
Hartmetallbohrer mit Spitze
Für weichere Fliesen (z. B. glasierte Wandfliesen) reichen oft Hartmetallbohrer mit einer abgeflachten Spitze. Diese sind in jedem Baumarkt erhältlich (OBI, Bauhaus, Hornbach, toom) und kosten zwischen 5 und 15 € pro Set. Achten Sie auf die Verarbeitung: Die Schneide sollte scharf und aus hartem Wolframcarbid sein.
Diamantbohrer (Trocken- oder Nassbohrer)
Für harte Fliesen wie Feinsteinzeug, Porzellan oder Naturstein sind Diamantbohrer Pflicht. Diese gibt es als Trockenbohrer (mit Diamantkörnung auf der Schneide) oder Nassbohrer (mit Kühlwasser). Für den Heimgebrauch reichen Trockenbohrer aus, die Sie mit Wasser besprühen sollten. Preise: Einzelbohrer ab 8 €, Sets mit 6–10 Größen ab 25 €. Marken wie Bosch, Heller oder Fischer sind empfehlenswert.
Bohrmaschine mit Drehzahlregelung
Verwenden Sie unbedingt einen Akku-Bohrschrauber oder eine kabelgebundene Bohrmaschine mit stufenloser Drehzahlregulierung. Schlagbohrmaschinen sind nicht geeignet, weil die Schlagfunktion die Fliese zerstört. Eine Bohrmaschine mit Drehzahlregelung (100–1000 U/min) ist ideal. Alternativ geht auch ein Akkuschrauber mit Drehzahlregel – Voraussetzung: ausreichend Drehmoment.
Die Drehzahl – der Schlüssel zum Erfolg
Die Drehzahl ist entscheidend: Zu schnell erhitzt der Bohrer die Fliese und verursacht Risse. Zu langsam frisst sich der Bohrer fest. Faustregel:
- Glasierte Wandfliesen: 300–500 U/min
- Feinsteinzeug / Porzellan: 200–300 U/min
- Naturstein: 100–200 U/min
Stellen Sie die Drehzahl ein, bevor Sie mit dem Bohren beginnen. Bei Akkuschraubern mit Drehzahlregel (meist 1. Gang) nutzen Sie die niedrigste Stufe. Bohren Sie ohne Druck: Lassen Sie den Bohrer mit leichtem, gleichmäßigem Druck arbeiten – die Schneide muss sich erst in die Fliese fressen. Ein zu hoher Anpressdruck führt sofort zu Sprüngen.

Anzeichnen und Fixieren: Markierung nicht verrutschen lassen
Das Anzeichnen auf der glatten Fliese ist knifflig, weil der Bohrer leicht wegrutscht. So vermeiden Sie das:
Klebeband-Methode
Kleben Sie ein Stück Kreppband oder Malerkrepp (2–3 cm breit) auf die gewünschte Stelle. Zeichnen Sie die Position mit einem Bleistift auf das Band. Das Band verhindert, dass der Bohrer wegrutscht, und fängt kleine Späne auf. Nachteil: Bei sehr harten Fliesen kann das Band reißen.
Körner-Methode
Verwenden Sie einen Fliesenkörner oder eine Bohrhilfe (z. B. von Fischer oder Wolfcraft). Setzen Sie eine kleine Einkerbung in die Fliese, indem Sie leicht mit einem Hammer auf den Körner schlagen. Achten Sie darauf, die Fliese nicht zu beschädigen – nur eine minimale Markierung. Anschließend bohren Sie genau in diese Vertiefung.
Bohrschablone aus Holz
Eine einfache, aber effektive Methode: Bohren Sie in ein dünnes Holzbrett (z. B. 5 mm Sperrholz) ein exakt passendes Loch für den Bohrer. Halten Sie das Brett auf die Fliese und bohren Sie durch das Loch – so zentriert der Bohrer automatisch.
Dübelwahl für Fliesen
Nicht jeder Dübel eignet sich für Fliesen. Die Wahl hängt von der Untergrundbeschaffenheit (Mauerwerk, Beton, Gipskarton) ab. Wichtig: Der Dübel muss in der Fliese und im Untergrund halten.
- Nylondübel (Spreizdübel): Standard für Beton und Mauerwerk. Hier ist die Fliese nur die Deckschicht – der Dübel spreizt dahinter. Achten Sie auf ausreichend tiefe Bohrung (mind. 5 cm über Fliesenstärke). Kosten: 5 € für ein Set (50 Stück).
- Metallhülsen (Hohlraumdübel): Für Gipskarton oder Hohlwände hinter Fliesen. Diese klemmen sich hinter der Fliese fest. Kosten: 10 € für 20 Stück.
- Fliesendübel (z. B. Fischer Fliesendübel): Speziell für dünne Fliesen auf Gipskarton. Sie haben einen großen Kragen, der die Fliese nicht sprengt. Kosten: 8–12 € für 10 Stück.
- Bohrtiefe einstellen: Bohren Sie immer mit einem Tiefenanschlag oder kleben Sie einen Streifen Malerkrepp auf den Bohrer, um die korrekte Tiefe zu markieren.
Preistabelle (ungefähre Spannweite in deutschen Baumärkten):
- Hartmetallbohrer-Set (6-teilig): 8–15 €
- Diamantbohrer (einzelne Größe): 10–20 €
- Bohrerschablone / Zentrierhilfe: 10–25 €
- Fliesenkörner: 5–10 €
- Kreppband: 2–4 € (Rolle)
- Nylondübel (50 Stück): 5–8 €
- Metall-Hohlraumdübel (20 Stück): 8–12 €
- Fliesendübel (10 Stück): 8–12 €
Typische Fehler
- Fehler 1: Zu schnelle Drehzahl – Führt zu Hitze und Rissen. Immer die niedrigste Stufe wählen.
- Fehler 2: Schlagbohrfunktion verwenden – Schlag zerstört die Fliese. Nur bohren, nicht schlagen.
- Fehler 3: Zu viel Druck – Der Bohrer muss sich selbst durcharbeiten. Druck nur so, dass er nicht abhebt.
- Fehler 4: Ohne Markierung auf glatter Fliese – Der Bohrer wandert. Immer fixieren.
- Fehler 5: Falscher Bohrer – Steinbohrer statt Fliesenbohrer verwendet – sofortige Risse.
- Fehler 6: Bohren in Fugen – Fugen sind meist dünn und brüchig; Fliesen an den Kanten springen leichter. Besser in die Fliesenmitte bohren.
- Fehler 7: Keine Kühlung – Bei Diamantbohrern Wasser oder Bohrölemulsion verwenden, sonst Glühen.
Wann zum Fachbetrieb?
Manche Situationen überfordern den Heimwerker. Suchen Sie einen Fachbetrieb (Fliesenleger oder Bauhandwerker), wenn:
- Die Fliesen aus wertvollem Naturstein (z. B. Marmor oder Granit) sind – hier kann schon das Ankörnen Schäden verursachen.
- Sie in eine Fußbodenheizung bohren müssen (Bohrungsrisiko für Leitungen).
- Die Fliesen extrem dünn oder bereits rissig sind.
- Sie einen Großdurchmesser (ab 30 mm) für Rohre oder Steckdosen benötigen – hier sind Kernbohrgeräte nötig.
- Der Untergrund aus Stahlbeton mit Armierung besteht (spezielles Bohren mit Kernbohrkrone).
- Die Bohrstelle direkt neben einer Wasser- oder Elektroleitung liegt (Treffsicherheit und Gefahrenanalyse).
- Kosten für Fachbetrieb: je nach Aufwand 50–150 €. Lohnt sich bei teuren Fliesen.
Checkliste
- Vorbereitung: Bohrer (Hartmetall oder Diamant) besorgen, Drehzahlregelung prüfen, Kreppband oder Körner bereitlegen.
- Anzeichnen: Position mit Klebeband sichern, alternativ Körner oder Bohrschablone.
- Dübelwahl: Untergrund prüfen (Beton, Mauerwerk, Gipskarton) und passende Dübel (Nylon, Metall, Fliesendübel) kaufen.
- Bohren: Drehzahl auf niedrigste Stufe einstellen (200–500 U/min), ohne Schlag, mit leichtem Druck, evtl. mit Wasser kühlen. Bohrtiefe mit Markierung kontrollieren.
- Nacharbeiten: Loch mit Druckluft oder Staubsauger reinigen, Dübel einsetzen, Schraube eindrehen – aber nicht überdrehen!


























