Multifunktionsmöbel für kleine Wohnungen: Schrankbett, ausziehbarer Tisch,
Platz ist in kleinen Wohnungen oft Mangelware – sei es in einer Einzimmerwohnung im Altbau oder einer kompakten Neubauwohnung. Multifunktionsmöbel wie Schrankbetten, ausziehbare Tische und Hocker mit Stauraum helfen, den vorhandenen Raum optimal zu nutzen. Dieser Ratgeber richtet sich an Mieter und Eigentümer, die praktische Lösungen suchen, die sie selbst umsetzen oder planen können. Sie erhalten konkrete Maße, Materialien aus deutschen Baumärkten (OBI, Bauhaus, Hornbach, toom, IKEA), realistische Kosten in Euro und Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Schrankbett (Klappbett) – Platzsparender Schlafplatz
Ein Schrankbett wird tagsüber senkrecht an der Wand verstaut und nachts heruntergeklappt. Es eignet sich besonders für Wohnzimmer, die abends zum Schlafzimmer werden sollen. Die gängigste Bauform ist das Hochklappbett mit einer Liegefläche von 90×200 cm oder 140×200 cm. Für den Selbstbau benötigen Sie einen stabilen Korpus aus 18 mm Multiplexplatten (z.B. Birke), ein Lattenrost (90×200 cm ca. 30-50 €), Matratze (90×200 cm ca. 100-200 €) und einen Klappmechanismus mit Gasdruckfedern. Gute Beschläge erhalten Sie bei OBI oder Hornbach: ein Klappbett-Beschlag-Set für 90 cm Breite kostet ca. 80-150 €. Die Außenmaße des Korpus sollten etwa 10 cm größer sein als die Matratze: für 90×200 cm also ca. 100 cm breit, 210 cm hoch und 45 cm tief. Achten Sie darauf, dass die Wand ausreichend tragfähig ist (keine Leichtbauwand). Arbeitsschritte: 1. Korpus aus Multiplex zuschneiden und mit Dübeln und Schrauben zusammenbauen. 2. Lattenrost und Klappmechanismus montieren. 3. Matratze einlegen und Bettzeug im Korpus verstauen. Alternativ gibt es fertige Schrankbetten von IKEA (z.B. HEMNES) ab 500 € oder von Betten.de ab 700 €. Ein Eigenbau kann je nach Material 300-600 € kosten.
Ausziehbarer Tisch – Flexibler Ess- und Arbeitsplatz
Ein ausziehbarer Tisch ist ideal, wenn Sie selten Gäste haben, aber gelegentlich mehr Platz benötigen. Die häufigsten Mechanismen sind Klappplatten (seitlich hochklappbar) oder Auszugsplatten (Platte auseinanderziehen und Einlegeplatte einsetzen). Für den Selbstbau eignet sich eine Tischplatte aus massiver Buche (140×80 cm, 18 mm, ca. 40-60 € bei Bauhaus) oder Leimholzplatte aus dem Baumarkt. Als Gestell können Sie Tischbeine aus Stahl (Höhe 72 cm, z.B. von OBI, 4 Stück ca. 30 €) oder Holzbeine verwenden. Die Ausziehmechanik: Bei einer Klappvariante sägen Sie die Platte in der Mitte durch, verbinden die Hälften mit Scharnieren und befestigen eine zusätzliche Klappe an der Schmalseite. Bei einer Ausziehvariante kaufen Sie einen Synchronauszug (Blum-System ca. 60 €) und eine Einlegeplatte (z.B. 40×80 cm). Maße: Im eingeklappten Zustand 80×80 cm, ausgeklappt 120×80 cm. Arbeitsschritte: 1. Tischplatte zuschneiden und Kanten fräsen. 2. Scharniere oder Auszugsschienen montieren. 3. Beine anschrauben. 4. Oberfläche ölen oder lackieren. Kosten: Selbstbau ca. 70-150 €, Fertigtisch bei IKEA (z.B. BJURSTA) ab 70 €, hochwertigere Modelle mit Synchronauszug ab 200 €.

Hocker mit Stauraum – Sitzgelegenheit und Aufbewahrung
Ein Hocker mit Stauraum ist schnell gebaut und vielseitig einsetzbar: als Fußablage, zusätzliche Sitzgelegenheit oder Beistelltisch. Sie benötigen eine quadratische oder runde Holzplatte (45×45 cm, 18 mm Multiplex, ca. 8 €), vier Beine (Höhe 40 cm, z.B. aus Kiefer, 4 Stück ca. 12 €) und einen Klappdeckel mit Scharnieren. Für den Stauraum wird der Hocker innen hohl gelassen; die Seitenwände können aus 12 mm Sperrholz bestehen (ca. 10 €). Arbeitsschritte: 1. Zuschnitt der Seitenteile (45×15 cm) und des Bodens (45×45 cm). 2. Seitenteile mit Holzleim und Nägeln verbinden, Boden aufsetzen. 3. Deckel (45×45 cm) mit Scharnieren an einer Seite befestigen. 4. Beine an den Ecken verschrauben. 5. Polsterung optional: Schaumstoff und Stoff (ca. 15 €) auf den Deckel kleben oder mit Klett befestigen. Maße: ca. 45x45x45 cm. Kosten: Selbstbau ca. 25-50 €, Fertigprodukt bei IKEA (z.B. TROTTEN ab 15 €, aber ohne Stauraum) oder online ab 30 €. Für mehr Stauraum können Sie den Hocker höher bauen (50 cm) oder mit einem herausnehmbaren Einsatz versehen.
Realistische Kostenübersicht
- Schrankbett (90×200 cm, Eigenbau): 300-600 € (Material: Multiplexplatten, Beschläge, Gasdruckfedern, Lattenrost, Matratze)
- Schrankbett (fertig, einfach): 400-800 € (z.B. IKEA HEMNES mit Lattenrost, ohne Matratze)
- Schrankbett (fertig, mit Einbausystem): 1000-2000 € (Fachbetrieb, maßgefertigt)
- Ausziehbarer Tisch (Eigenbau, Klappmechanismus): 70-150 € (Platte, Beine, Scharniere)
- Ausziehbarer Tisch (fertig, einfach): 50-200 € (IKEA BJURSTA, LÖVBACKEN)
- Ausziehbarer Tisch (hochwertig, Synchronauszug): 200-400 € (z.B. bei Möbel Höffner)
- Hocker mit Stauraum (Eigenbau): 25-50 € (Holz, Scharniere, Beine, Polster)
- Hocker mit Stauraum (fertig): 30-80 € (Online, z.B. bei Amazon oder Rusta)
Typische Fehler
1. Falsche Maße: Besonders bei Schrankbetten wird oft nicht bedacht, dass der Korpus nach vorne ragt und den Raum optisch verkleinert. Messen Sie immer die tatsächliche Raumtiefe inklusive Tür- und Fensteraufschlag. 2. Schlechte Beschläge: Billige Klappmechanismen quietschen oder halten nicht. Investieren Sie in Markenware (z.B. Blum, Hettich). 3. Wandbefestigung: Schrankbetten müssen fest mit der Wand verankert sein, sonst kippen sie. Verwenden Sie Dübel für Beton oder Vollziegel, bei Leichtbauwänden sind Spreizdübel oder ein Durchschrauben nötig. 4. Zu schwere Klappen: Bei ausziehbaren Tischen mit Klappplatten werden die Scharniere schnell überlastet. Verwenden Sie mindestens zwei Scharniere pro Klappe. 5. Vergessene Bodenfreiheit: Beim Hochklappen des Bettes müssen Möbel oder Heizkörper darunter passen. Planen Sie 5-10 cm Luft. 6. Unbequeme Polsterung: Hocker mit Stauraum werden oft zu hart. Verwenden Sie Schaumstoff mit Raumgewicht von mindestens 30 kg/m³.
Wann zum Fachbetrieb?
Bei folgenden Arbeiten ist ein Fachbetrieb (Tischler, Schreinerei oder Möbelbaubetrieb) ratsam: Wenn Sie ein Schrankbett in eine Nische einbauen lassen, die nicht lotrecht ist – der Tischler kann vor Ort Maß nehmen und den Korpus anpassen. Auch bei der Integration von Elektrik (z.B. Leselampen im Schrankbett) muss ein Elektriker kommen. Bei Gas- oder Wasserleitungen in der Wand (vor allem im Altbau) dürfen Sie nicht bohren, ohne einen Fachmann zur Prüfung zu beauftragen. Für sehr schwere Ausziehmechaniken (z.B. bei einem 2m langen Tisch) oder wenn die Statik der Decke unsicher ist (z.B. bei einem Balken in einer Altbauwohnung), ist ein Statiker nötig. Auch maßgefertigte Einbauschränke mit Klappbett sind oft günstiger, wenn Sie alles aus einer Hand bestellen – trotz des höheren Preises.
Checkliste für den Bau von Multifunktionsmöbeln
- Raummaße genau aufnehmen (Länge, Breite, Höhe, Tür- und Fensteraufschlag)
- Wandart prüfen (Beton, Ziegel, Leichtbau) und entsprechende Dübel bereithalten
- Materialliste erstellen: Holzplatten, Beschläge, Schrauben, Dübel, Werkzeug
- Werkzeug prüfen: Akkuschrauber, Stichsäge, Wasserwaage, Meterstab, Winkel, Schleifpapier, Holzleim
- Bei Schrankbett: Klappmechanismus vor dem Einbau testen
- Bei ausziehbarem Tisch: Schienen oder Scharniere exakt ausrichten
- Hocker: Deckel mit Gasdruckfeder oder Kippscharnier sichern (Vorsicht bei Kindern)
- Alle Möbel mit Kippschutz an der Wand sichern (besonders bei Schrankbetten)
- Oberflächen behandeln: Öl, Lack oder Wachs auftragen
- Vor dem Gebrauch alle Schrauben nachziehen und Funktion prüfen


























